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Karriere

Auszeichnung als TOP-Arbeitgeber 2006

Auszug aus TOP-Arbeitgeber in Deutschland 2006
Hrsg. Corporate Research Foundation (CRF) in Zusammenarbeit mit Karriere, einem Magazin der Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH, und geva-Institut, Gesellschaft für Verhaltensanalyse und Evaluation mbH, W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld (2006), Seite 254 - 260

Lenord, Bauer & Co. GmbH

Als Spezialist für Automatisierungstechnik entwickelt die Lenord, Bauer & Co. GmbH kundenspezifische Mess- und Steuersysteme für bewegliche Maschinenkomponenten. Das Unternehmen wurde 1965 in Oberhausen mit der Idee gegründet, HighTech für den Bergbau zu liefern. 40 Jahre später haben sich aus diesem Ansatz die beiden Produktlinien "Sensorline" und "Motionline" entwickelt. Die robusten Sensoren, die rotierende Achsen berührungsfrei messen, kommen in der Stahlindustrie, in der Schienenverkehrstechnik, in Hochgeschwindigkeits-Fräsen und im Schiffbau zum Einsatz. Die PC-Steuerungen dagegen finden vor allem im klassischen Maschinenbau Verwendung. Auch in Zukunftsmärkten wie der Windenergietechnik ist das Unternehmen aktiv.

Mitarbeiterzahl national/international: 135 (aktuell: 175)
Standorte national/international: Oberhausen
Umsatz (2004): 15 Mio. Euro
Bilanzsumme: 8 Mio. Euro
gesuchte Fachrichtungen: Elektrotechnik, Maschinenbau, Mechatronik, Physik, Wirtschaftswissenschaften
voraussichtlicher Bedarf Neueinstellungen 2006: 10 Mitarbeiter
Einstiegsgehälter: je nach Fachrichtung und Position zwischen 35.000 und 45.000 Euro p.a.
Auswahlverfahren: zwei Gespräche (1. Personalreferent und Fachvorgesetzter, 2. Personalreferent, Fachvorgesetzter und Geschäftsführung)
internationale Einsatzmöglichkeiten: ja, Vertriebsingenieure und Ingenieurinnen bei Inbetriebnahme; Entwicklungsingenieure
Praktika/Diplomarbeiten: ja
Adresse: Lenord, Bauer & Co. GmbH, Dohlenstraße 32, 46145 Oberhausen
Ansprechpartner: Thomas Radig
E-Mail: E-Mail an Thomas Radig
Telefon: 0208 / 9963-306
Website: www.lenord.de

Robuste Sensoren für die ganze Welt

Wer die Zentrale von Lenord + Bauer besuchen will, sollte die exakte Anschrift im Kopf haben. Die Anreise endet in einem Wohngebiet im Norden Oberhausens, in dem weder flatternde Fahnen noch großformatige Tafeln daraufhin weisen, wo sich das Unternehmen befindet. Auch das Firmengebäude bietet keinerlei Orientierung, weil es sich unauffällig in die Zwei-Geschoss-Architektur seiner Umgebung bettet. Fast schüchtern duckt sich der graue Flachbau hinter einen mannshohen Zaun, der die Aussicht auf das Firmengelände versperrt.

Doch nicht nur aufgrund seiner Firmenadresse zählt Lenord + Bauer zu den "Hidden Champions". Als Spezialisten für HighTech-Lösungen arbeiten diese mittelständisch geprägten Unternehmen typischerweise außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung. "Anstatt jeden Tag eine neue Story für die Analysten und Börsianer zu erfinden," kennzeichnete Bundeskanzler Gerhard Schröder die Hidden Champions einst, "erfinden sie lieber jeden Tag neue Produkte und machen sich an die Vermarktung derselben."

In diesem Sinne baut Lenord + Bauer Sensoren und Steuerungen für die Automatisierungstechnik. Drei Viertel seines Umsatzes macht das Unternehmen mit robusten Sensoren, die rotierende oder lineare Achsen magnetisch vermessen. In Hochgeschwindigkeitsspindeln sorgen die hochempfindlichen Messinstrumente beispielsweise dafür, dass die Geschwindigkeit, mit der sich der Fräskopf dreht, immer exakt zu seinem Vorschub passt. Schon geringe Abweichungen würden Werkzeug oder Material unmittelbar zerstören. Nach eigenen Angaben kommt der Hersteller in diesem Marktsegment auf einen Anteil von 70 Prozent. Weltweit versteht sich.

Doch selbst im Oberhausener Stadtgebiet ist diese Leistungsstärke bislang weitgehend unbekannt. Schließlich sind Hochgeschwindigkeitsspindeln weder im Media Markt erhältlich noch auf großformatigen Straßenplakaten präsent. Björn Schlüter stört die fehlende Wahrnehmung nicht. Schließlich weiß der Junior Marketing Manager sehr genau, warum er ausgerechnet bei einem Mittelständler mit 135 Angestellten tätig ist. "Ich arbeite bei einem kleinen Unternehmen, bei dem ich etwas bewegen kann, das mir einen sicheren Arbeitsplatz bietet und mir in den letzten Jahren regelmäßig mindestens 13,5 Monatsgehälter bezahlt."

Unsere Mitarbeiter sind unser wertvollstes Kapital"

Bezahlt hat ihm Lenord + Bauer auch einen Großteil seiner Ausbildung. Zunächst finanzierte das Unternehmen dem heute 27-Jährigen die Zusatzqualifizierung zum Betriebswirt VWA, die er parallel zu seiner verkürzten, betrieblichen Ausbildung zum Industriekaufmann an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA) in Essen absolvierte. Das war zwischen 1999 und 2002. Zurzeit bildet sich Björn Schlüter zum Wirtschaftsinformatiker an der Fachhochschule in Essen weiter. Allabendlich drückt er dafür die Schulbank, die Gebühren von monatlich rund 300 Euro hat sein Arbeitgeber übernommen. Bedingungen knüpft dieser allerdings keine daran. "Ich habe mich zu nichts verpflichten müssen", betont der Junior Manager, der seine Diplomarbeit im Februar 2006 beenden will. Tatsächlich unterstützt Jens Reimann, kaufmännischer Leiter und für Personalfragen verantwortlich, engagierte Nachwuchskräfte gerne. "Unser wertvollstes Kapital sind unsere Mitarbeiter."

Ein Leitsatz, der der "Balanced Score Card" des Unternehmens entspricht. Die Balanced Score Card bezeichnet ein Management-Konzept, das klassisches Unternehmerdenken mit modernen Steuerungsinstrumenten verbindet, das Tagesgeschäft an langfristigen Zielen ausrichtet und Risiken durch ein intelligentes Frühwarnsystem minimiert. Die Geschäftsleitung von Lenord + Bauer wählte diesen Ansatz vor fünf Jahren, um das Unternehmen von einem handwerksähnlichen Unternehmen in einen Betrieb zu entwickeln, der sich an industriellen Prozessen orientiert, sich in turbulenten Märkten behaupten und einem wachsenden Wettbewerbsdruck standhalten kann. Die Visionen, die das Unternehmen verfolgt, zieren als DIN A3-Poster gerahmt die Büroflure des Unternehmens. "Eine hohe Qualifikation und Motivation der Mitarbeiter sind Basis für ein positives und innovatives Klima", ist hier zu lesen.

Doch der kaufmännische Leiter Jens Reimann belässt es nicht bei Appellen. Den Veränderungsprozess, für den sich das Unternehmen 2002 entschied, fördert er, indem er die Mitarbeiter aktiv an diesem Prozess beteiligt. So wie vor drei Jahren, als die Belegschaft 25 Themen identifizierte, die ihr verbesserungswürdig erschienen: angefangen bei der Wertschätzung von Kunden über die Organisation des Lagers bis hin zur eigenen Weiterbildung. Das war der Startschuss. In kleinen Projektteams arbeiteten Männer und Frauen aus allen Abteilungen anschließend die selbstauferlegte Liste Punkt für Punkt ab und veröffentlichten die Ergebnisse in der neugegründeten Hauszeitung "Bewegungsmelder". Diese erschien zunächst auf Papier, heute wird sie im Intranet veröffentlicht. Die Vorgehensweise hat sich so gut bewährt, dass die Geschäftsführung bei Bedarf weiterhin Projektteams mit Freistellungen und Geld unterstützt. "Wir begreifen Veränderung als Chance für die Zukunft unseres lebendigen Unternehmens", betont Geschäftsführer Hans-Georg Wilk. "Die Mitarbeiter sind daran aktiv beteiligt."

Obwohl das Unternehmen keinem Tarifverband angehört und Gewerkschaften im Haus keine Rolle spielen, haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Regeln des täglichen Miteinanders klar definiert. So gibt es gleich vier Arbeitszeitmodelle für Vollzeitbeschäftigte, die Anwesenheit und Einkommen auf unterschiedliche Art und Weise kombinieren. Als Standard gilt Modell B mit einer Regelarbeitszeit von 37 Stunden pro Woche. Wer weniger arbeiten will, wählt Modell A mit 34 Stunden pro Woche. Wer mehr arbeiten will, wählt Modell C mit 40 Stunden pro Woche oder Modell D, das keine zeitliche Obergrenze mehr definiert. Etwaige Modellwechsel erfolgen bedarfsorientiert im Dialog mit den Mitarbeitern. Aber auch Teilzeit-Interessierte finden bei Lenord + Bauer immer eine Lösung, bestätigt Jens Reimann. "Bei individuellen Regelungen ist alles denkbar."

Mit Eigeninitiative und Engagement

Ihre täglichen Arbeitszeiten legen die Mitarbeiter in Absprache mit ihren Teams eigenverantwortlich fest. Der allgemeine Rahmen lautet: Gleitzeit gilt für alle, Kernarbeitszeiten gibt es nicht, der Betrieb ist zwischen 5 und 22 Uhr geöffnet, und das Arbeitszeitkonto darf zwischen plus 200 und minus 50 Stunden schwanken. "Wir beschäftigen einen Mitarbeiter, der gerade Vater geworden ist", schildert Jens Reimann ein Beispiel für persönliche Spielräume. "Der kommt jetzt drei Mal in der Woche morgens um fünf, zweimal in der Woche aber auch erst um zwölf Uhr mittags."

Doch nicht nur das individuelle Wohlbefinden, auch das soziale Miteinander wird groß geschrieben. So fördert die Unternehmensleitung Betriebssportgruppen, die zusammen Fußball spielen oder sich zum Laufen treffen. Großen Anklang findet in der jüngeren Vergangenheit vor allem die Drachenboot-Mannschaft. 25 Personen aus allen Abteilungen paddeln hier mit anderen Vereinen oder Unternehmen regelmäßig um die Wette. Das Honorar für den Trainer und die Bootsmiete steuert Lenord + Bauer bei. Ein gutes Investment. Bereits vier Pokale schmücken die gläserne Vitrine der Betriebssportgruppe, die gut mitten in der Kantine steht.

Den Einzug des Schlendrians fürchtet der kaufmännische Leiter Jens Reimann aufgrund solcher Freizügigkeiten nicht. Schließlich hat sich im Unternehmen ein System aus Geben und Nehmen etabliert, das das Engagement jedes Einzelnen im Erfolgsfall in barer Münze entlohnt. Seit drei Jahren verzeichnet der Automatisierungsspezialist jährliche Umsatzsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich. Die Mitarbeiter profitieren davon. So erhielten sie für 2004 eine Jahresgratifikation, die 70 Prozent eines Brutto-Monatslohnes entsprach.

Urlaubs- und Weihnachtsgeld hängen ebenfalls vom Gewinnverlauf ab. Beide Zusatzzahlungen schwanken zwischen 20 und 75 Prozent eines Brutto-Monatslohnes, sodass sie sich maximal zu 1,5 Gehältern addieren. Weiterer Vorteil bei brummenden Geschäften: die Regelarbeitszeit wird von 37 auf 35 Stunden reduziert. Das hebt die Stimmung und die Motivation. "Alle Kollegen arbeiten hier extrem eigenverantwortlich", hat Björn Schlüter festgestellt. "Hier gibt es niemand, der die Sachen einfach liegen lässt, wenn der Kunde dringend eine Lösung braucht."

Seine eigenen Karriereerfolge führt der Junior Marketing Manager ebenfalls auf Eigeninitiative und Engagement zurück. Erst vor wenigen Wochen wurde ihm die Aufgabe anvertraut, das Marketing bei Lenord + Bauer zu profilieren und dadurch den Vertriebschef zu entlasten. Zuvor hatte Björn Schlüter im Controlling und als Assistent der Geschäftsführung Erfahrungen gesammelt. Dort wurmte den Computerfan vor allem, dass der Internetauftritt dem Image einer HighTech-Firma um Längen hinterherhinkte. Zweimal, so erinnert er sich, habe er diesen Missstand angemahnt. Danach übergab ihm die Geschäftsleitung den Projektleiterjob.

Gemeinsam mit dem Vertriebsleiter, einer Marketingagentur und einem externen Programmierer brachte er in den nächsten Monaten die virtuelle Visitenkarte des Unternehmens auf Vordermann und zeitgemäße Web-Technologien zum Einsatz, um den Internetauftritt an die eigenen Geschäftsprozesse anzubinden. "Viele Studienkollegen sind in Großkonzernen gelandet und verantworten dort die Debitorenbuchhaltung von A bis C", freut er sich über seinen abwechslungsreichen Job. "Das wäre zu wenig für mich. Hier muss man alles können."

Ausgeprägter Teamgeist und unternehmerisches Denken

Eine Folge der flachen, dreistufigen Hierarchie im Unternehmen. Unter dem Geschäftsführer Hans-Georg Wilk, der das Unternehmen seit 1996 im Auftrag der vier Gründungsgesellschafter führt, bilden acht Abteilungsleiter die zweite Ebene. Alle anderen Mitarbeiter finden sich in Ebene drei und definieren sich als Spezialisten in ihren Fachteams. Karrierefördernde Zwischenstockwerke gibt es keine. "Wer bei Lenord + Bauer anfängt, der wird seine persönlichen Ziele zurückschrauben müssen", räumt Ulrich Marl, Leiter der Abteilungen für Qualitätsmanagement, Umweltwesen und Betriebsmittel, ein. "Hier muss das Ziel sein, mit dem Unternehmen in der Championsleague zu spielen."

Der diplomierte Maschinenbauer, der insgesamt sieben Mitarbeiter leitet, kennt das Unternehmen seit über zehn Jahren. Zunächst baute er als Berater bei Lenord + Bauer das Qualitätsmanagement auf, bevor er im Jahr 2000 komplett nach Oberhausen wechselte. Seitdem pendelt der 41-Jährige täglich rund 120 Kilometer von seiner Heimatstadt Plettenberg im Sauerland ins nördliche Ruhrgebiet - und zurück. Dennoch nimmt er diese Belastung gerne in Kauf. Warum? "Ich arbeite jetzt für mein Traumunternehmen."

Ausgeprägter Teamgeist und unternehmerisches Denken sind zwei der wichtigsten Eigenschaften, die Ulrich Marl als Führungskraft von seinen Mitarbeitern erwartet. Obwohl Mitarbeitergespräche nicht verbindlich sind, setzt sich der Qualitätsmanager einmal pro Jahr mit jedem Mitarbeiter zusammen, um über individuelle Stärken und Schwächen, Ziele und Weiterbildungswünsche zu sprechen. Zielvereinbarungen schließt er nur dann, wenn "irgendetwas aus dem Ruder läuft". Zum Beispiel, wenn ein Mitarbeiter zwar viele Aufgaben übernimmt, aber kaum eine davon zu Ende bringt.

Dass Lenord + Bauer keine Filialen im Ausland unterhält, stört Ulrich Marl nicht. Auch am Standort Oberhausen sei das Unternehmen so stark in Bewegung, dass es an Herausforderungen nicht fehle. Mit der Überarbeitung der Balanced Score Card Ende 2005 rücke die Internationalisierung als strategisches Ziel außerdem weiter in den Blickpunkt. Um weiter zu wachsen, müsse man die Nähe zu den eigenen Kunden suchen, soviel sei sicher. Der Aufbau einer Niederlassung in den USA werde daher wahrscheinlicher. Das Potential dazu sieht der ehemalige Unternehmensberater in seinem Unternehmen allemal. "Was die Strategie angeht, sind wir besser als vergleichbare Mittelständler", sagt er. "Und unsere Mitarbeiter wissen inzwischen, dass sie alle Dinge zum Positiven verändern können."

 

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Personalreferent

Name: Thomas Radig
Tel.: +49 208 9963-306
Email:  tradig@lenord.de